DNA: Aufbau und Replikation einfach erklärt

  • Klasse 9/10
  • Oberstufe
  • ca. 22 Minuten

Wie die DNA aus Nukleotiden gebaut ist, warum A nur mit T und G nur mit C paart, wie die Zelle ihre DNA vor jeder Teilung kopiert und wie der Meselson-Stahl-Versuch das gezeigt hat.

Das Wichtigste in drei Sätzen

  1. Die DNA ist eine Doppelhelix aus zwei antiparallelen, also gegenläufigen Strängen. Dabei paart A immer mit T und G immer mit C.

  2. Die Replikation der DNA ist semikonservativ. Jeder neue Doppelstrang besteht aus einem alten Strang, der als Vorlage dient, und einem neu gebauten Strang.

  3. Die DNA-Polymerase verlängert nur am 3'-Ende, jeder neue Strang wächst von 5' nach 3'. Deshalb entsteht der Leitstrang am Stück und der Folgestrang in Stücken, den Okazaki-Fragmenten.

Grundlagen

P A O 1'2'3'4' 5' OH PhosphatBaseZuckerATGCTA5'3'3'5' Wasserstoffbrücken

Wie die DNA gebaut ist

Das Phosphat eines Bausteins bindet fest an den Zucker des nächsten. So entsteht das Zucker-Phosphat-Rückgrat, die Basen stehen nach innen. Die vier Basen paaren komplementär: A mit T über zwei Wasserstoffbrücken, G mit C über drei. Immer passt eine große Base zu einer kleinen. Jeder Strang hat ein 5'-Ende mit Phosphat und ein 3'-Ende mit OH-Gruppe. Die zwei Stränge winden sich zur Doppelhelix, etwa 10 Basenpaare pro Drehung.

Nukleotid
Baustein der DNA aus dem Zucker Desoxyribose, einer Phosphatgruppe und einer Base
antiparallel
die zwei Stränge laufen gegenläufig, dem 5'-Ende des einen liegt das 3'-Ende des anderen gegenüber
Chargaff-Regel
in doppelsträngiger DNA gibt es gleich viel A wie T und gleich viel G wie C
kopiert Doppelhelix Histone Chromatin Chromosom

Wie die DNA verpackt ist

Die Information steckt in der Reihenfolge der Basen. Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA mit der Anleitung für ein Produkt, meist ein Protein.

  1. Doppelhelix Rund 6 Milliarden Basenpaare, fast alle im Zellkern, ein winziger Rest in den Mitochondrien.
  2. Histone Proteinkugeln, um die sich die DNA wickelt wie Garn um Spulen.
  3. Chromatin Viele Spulen, locker aufgerollt. In dieser Form kann die Zelle die DNA ablesen.
  4. Chromosom Für die Teilung dicht verpackt. Nach dem Kopieren ein X aus zwei Schwesterchromatiden.

Der Ablauf: die Replikation in fünf Schritten

  1. 5'3'3'5'

    Öffnen

    Helicase öffnet

    Die Replikation startet an vielen Replikationsursprüngen.

    Die Helicase löst dort die Wasserstoffbrücken zwischen den Basen. Der Doppelstrang öffnet sich zur Replikationsgabel, jeder Strang wird zur Vorlage.

    Erkennst du an Gabel offen, noch kein neuer Strang.

  2. 5'3'3'5' 5'3'

    Primer

    Primase setzt Primer

    Die DNA-Polymerase kann nur ein vorhandenes 3'-Ende verlängern.

    Deshalb baut die Primase zuerst ein kurzes Startstück aus RNA, den Primer.

    Erkennst du an Kurzes RNA-Stück auf der Vorlage.

  3. 5'3'3'5' 5'3'

    Leitstrang

    Polymerase verlängert

    Die Polymerase hängt passende Bausteine ans 3'-Ende, der neue Strang wächst von 5' nach 3'.

    An dieser Vorlage wächst er zur Gabel hin, am Stück. Einen falschen Baustein entfernt sie gleich wieder: Korrekturlesen.

    Erkennst du an Ein neuer Strang am Stück.

  4. 5'3'3'5' 3'5'

    Folgestrang

    Okazaki-Fragmente

    Gleichzeitig kann der neue Strang an der anderen Vorlage nur von der Gabel weg wachsen.

    Die Polymerase setzt deshalb immer wieder an neuen Primern nahe der Gabel an und baut Stück für Stück zurück.

    Erkennst du an Mehrere Stücke, je mit Primer.

  5. 5'3'3'5' 5'3'3'5'

    Verbinden

    Ligase verbindet

    Andere Enzyme ersetzen die Primer durch DNA.

    Die Ligase schließt die Lücken im Rückgrat. Heraus kommen zwei gleiche Doppelstränge, je aus einem alten und einem neuen Strang.

    Erkennst du an Durchgehende Stränge, kein Primer mehr.

Eine menschliche Zelle kopiert rund 6 Milliarden Basenpaare in wenigen Stunden, an Zehntausenden Startstellen verteilt auf alle Chromosomen.

Schematisch, stark verkürzt

Der Meselson-Stahl-Versuch

  • Drei Modelle

    Drei Modelle

    Konservativ bleibt die alte DNA ganz, und daneben entsteht eine neue. Semikonservativ hat jede Kopie einen alten und einen neuen Strang, dispersiv sind Alt und Neu in jedem Strang gemischt.

  • 012 Generation 0, 1, 2

    Die Messung

    Die alte DNA war mit schwerem ¹⁵N markiert, neue Stränge bekamen leichtes ¹⁴N. Nach einer Generation gab es eine mittlere Bande, nach zwei eine mittlere und eine leichte: Das passt nur zu semikonservativ.

Drei typische Fehler

Im Video ab 1:12 (auf YouTube ab 1:12, neuer Tab), Kapitel „Wie die DNA gebaut ist“.

  1. Falsch

    „A kann auch mit G paaren, und A-T hält genauso fest wie G-C.“

    Richtig

    A paart nur mit T, über zwei Wasserstoffbrücken. G paart nur mit C, über drei, deshalb hält ein G-C-Paar fester.

  2. Falsch

    „Die DNA-Polymerase kann einen Strang in beide Richtungen bauen.“

    Richtig

    Die Polymerase hängt neue Bausteine nur ans 3'-Ende, jeder neue Strang wächst von 5' nach 3'. Deshalb entsteht der Folgestrang in Stücken.

  3. Falsch

    „Bei der Replikation entsteht eine komplett neue DNA neben der alten.“

    Richtig

    Die Replikation ist semikonservativ. Jeder neue Doppelstrang besteht aus einem alten und einem neuen Strang, das zeigt der Meselson-Stahl-Versuch.

Quiz: sechs Fragen zum Thema DNA: Aufbau und Replikation

Sofort ausgewertet, ohne Anmeldung. Es werden keine Daten gesendet. Die falschen Antworten sind genau die Fehler aus dem Video.

  1. Welche Aussage zur Basenpaarung in der DNA stimmt?

  2. Ein DNA-Strang lautet 5' ATGC 3'. Wie lautet der Gegenstrang, von 5' nach 3' geschrieben?

  3. Wann hat ein Chromosom die bekannte X-Form?

  4. Welche Aufgabe hat die Ligase bei der Replikation?

  5. Warum entsteht der Folgestrang in Stücken, den Okazaki-Fragmenten?

  6. Nach einer Generation in ¹⁴N fanden Meselson und Stahl eine einzige mittlere Bande. Welches Modell war damit widerlegt?

Prüfungsaufgaben

Erst selbst lösen, dann die Lösung aufklappen.

Klasse 9/10

a) Ein DNA-Strang lautet 5' GATTACAG 3'. Schreibe den Gegenstrang auf, ebenfalls von 5' nach 3'. b) Eine doppelsträngige DNA enthält 30 % Adenin. Wie viel Prozent Guanin enthält sie?

Tipp Der Gegenstrang läuft antiparallel, achte auf die Richtung. Für Teil b hilft die Chargaff-Regel.

Lösung anzeigenLösung ausblenden

Musterlösung in drei Teilen

  1. Gegenstrang: Gegenüber stehen 3' CTAATGTC 5'. Von 5' nach 3' geschrieben heißt er 5' CTGTAATC 3'.
  2. Guanin: 30 % Adenin bedeutet 30 % Thymin, zusammen 60 %. Die übrigen 40 % teilen sich G und C, also 20 % Guanin.
  3. Falle: Wer die Richtung vergisst, schreibt 5' CTAATGTC 3' und verliert den Punkt.

Oberstufe

Erkläre, warum bei der Replikation ein Strang kontinuierlich und der andere diskontinuierlich synthetisiert wird.

erklären
Du machst einen Sachverhalt nachvollziehbar, indem du ihn auf Regeln und Gesetzmäßigkeiten zurückführst.
Lösung anzeigenLösung ausblenden

Musterlösung in drei Teilen

  1. Voraussetzung: Die beiden Stränge der DNA sind antiparallel.
  2. Regel: Die DNA-Polymerase verlängert nur ein vorhandenes 3'-Ende. Sie synthetisiert also nur von 5' nach 3'.
  3. Folge: An einer Vorlage läuft die Synthese zur Replikationsgabel hin, der Leitstrang entsteht kontinuierlich. An der anderen läuft sie von der Gabel weg. Weil die Gabel immer neue Vorlage freilegt, setzt die Polymerase dort immer wieder an neuen Primern an. So entsteht der Folgestrang diskontinuierlich in Okazaki-Fragmenten, die die Ligase nach dem Ersatz der Primer verbindet.

Merkblatt zum Ausdrucken

Zwei Seiten: alle Schritte mit Bildern, typische Fehler, Prüfungsaufgaben mit Lösung

  • PDF
  • 2 Seiten
  • 844 KB

Kostenlos. Frei für Schule, Unterricht und Lernen, Logo und URL bleiben drauf.

Transkript

Einstieg (0:00)

D-N-A kannst du sehen, mit Sachen aus deiner Küche. Zerdrück eine reife Erdbeere im Gefrierbeutel, mit einem Schluck Wasser, etwas Spülmittel und einer Prise Salz. Gieß den Brei durch einen Kaffeefilter in ein Glas und dann vorsichtig eiskalten Alkohol darüber. Nach ein paar Minuten steigen weiße, glibberige Fäden auf. Das ist D-N-A, mit bloßem Auge.

Diese Fäden tragen den Bauplan der Erdbeere, und in dir steckt dieselbe Sorte Molekül. Wie kann so ein Faden einen Bauplan speichern, und wie wird er vor jeder Zellteilung exakt kopiert? In den nächsten gut zwanzig Minuten baust du die D-N-A zusammen, schaust ihr beim Kopieren zu, prüfst das mit einem berühmten Versuch und löst zwei Prüfungsaufgaben. Sieht übrigens aus wie ein Erdbeer-Smoothie. Bitte nur anschauen, da ist Spülmittel drin.

Vom Erdbeerfaden bis zur fertigen Kopie, in vier Schritten. Erstens: wie die D-N-A gebaut ist. Zweitens: wie sie kopiert wird. Drittens: der Versuch, der das Kopieren aufgeklärt hat. Viertens: die Prüfungsaufgaben.

Wie die DNA gebaut ist (1:12)

Zurück zum Glas. Ein einzelner D-N-A-Faden wäre viel zu dünn zum Sehen. Was du siehst, sind Milliarden davon, verklumpt, mit etwas Beifang aus der Frucht. Das Zerdrücken bricht die Zellwände auf, und das Spülmittel löst die fettigen Hüllen der Zellen und Zellkerne, die Membranen. So kommt die D-N-A frei. In kaltem Alkohol löst sie sich nicht, deshalb flockt sie aus. Das Salz heben wir uns auf, erst schauen wir in einen Faden hinein.

Von Nahem sieht die D-N-A aus wie ein Reißverschluss: zwei Bänder mit Zähnen, die ineinandergreifen. Jedes Stück Band mit seinem Zahn ist ein Baustein, ein Nukleotid. Es hat drei Teile: einen Zucker, eine Phosphatgruppe und eine Base. Zucker und Phosphat bilden das Band, die Base ist der Zahn. Kurz: Ein Nukleotid ist Zucker, Phosphat und Base. Der Zucker heißt Desoxyribose. Daher kommt der lange Name: Desoxyribonukleinsäure, kurz D-N-A.

Und wie hängen die Bausteine zusammen? Das Phosphat des einen Nukleotids bindet fest an den Zucker des nächsten. So entsteht eine Kette, abwechselnd Zucker, Phosphat, Zucker, Phosphat: das Rückgrat des Strangs. Und jetzt das Salz: Die Phosphatgruppen sind negativ geladen und stoßen sich ab. Das Salz schirmt die Ladungen ab, erst dann verklumpen die Fäden im Alkohol.

Zurück zum einzelnen Strang. Er hat außerdem eine Richtung. Stell dir eine Polonaise vor: Jeder legt die Hände auf die Schultern der Person vor sich. Ganz vorne sind Hände frei, ganz hinten Schultern. Wer neu mitmacht, hängt sich hinten an. Genauso hat ein D-N-A-Strang zwei verschiedene Enden, benannt nach den nummerierten Kohlenstoffatomen des Zuckers: fünf-Strich und drei-Strich.

Am fünf-Strich-Ende sitzt ein freies Phosphat, das sind die Hände. Am drei-Strich-Ende sitzt eine freie O-H-Gruppe, das sind die Schultern. Kurz: Ein Strang läuft von fünf-Strich nach drei-Strich.

Und die Zähne des Reißverschlusses? Das sind die Basen, und es gibt vier: Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, kurz A, T, G und C. Ab jetzt reichen die Buchstaben. Liegen sich zwei Stränge gegenüber, greifen ihre Basen ineinander wie Puzzleteile, nach einer festen Regel: A paart mit T, G mit C. Solche Partner heißen komplementär. Aber warum nicht A mit G?

Zuerst wegen der Größe. A und G sind groß, mit zwei Ringen, die Purine. T und C sind klein, mit einem Ring, die Pyrimidine. Zwischen die Bänder passt genau ein großer und ein kleiner Partner. Groß mit groß wäre zu breit, klein mit klein zu schmal. Aber A und C wären auch groß und klein. Warum passen die nicht?

Weil die Basen über Wasserstoffbrücken zusammenhalten, schwache Anziehungskräfte, wie kleine Druckknöpfe. A und T haben zwei passende Druckknöpfe, G und C drei. Bei A und C treffen dagegen Knopf auf Knopf und Gegenstück auf Gegenstück, da rastet nichts ein. Also: A mit T über zwei Wasserstoffbrücken, G mit C über drei. Deshalb hält ein G-C-Paar fester als ein A-T-Paar. Aber ist so schwach nicht ein Nachteil? Im Gegenteil: Nur deshalb kann der Reißverschluss aufgehen, zum Ablesen und zum Kopieren.

Gegenläufig und verdreht (4:42)

Und wenn zwei Stränge so ineinandergreifen, in welche Richtung laufen sie dann? Immer gegenläufig, wie zwei Polonaisen, die aneinander vorbeitanzen. Dem fünf-Strich-Ende des einen Strangs liegt das drei-Strich-Ende des anderen gegenüber. Das heißt antiparallel.

Ein Beispiel, ganz langsam. Auf dem oberen Strang steht, von fünf-Strich nach drei-Strich: G, A, T, T, A, C, A, G. Gegenüber von G steht ein C. Gegenüber von A ein T. Gegenüber von T ein A, und noch einmal A. Dann aus A ein T, aus C ein G, aus A ein T, aus G ein C. Der untere Strang lautet also C, T, A, A, T, G, T, C, von drei-Strich nach fünf-Strich. Diese acht Basenpaare begleiten uns durchs ganze Video.

Und warum Doppelhelix? Weil der Reißverschluss nicht flach liegt. Er ist verdreht wie eine Wendeltreppe: Die Basenpaare sind die Stufen, die beiden Rückgrate das Geländer. Dazu kommt: Die flachen Basenpaare liegen wie Münzen in einem Stapel aufeinander, auch das hält die Helix zusammen. Eine volle Drehung braucht etwa zehn Basenpaare. Diese Form haben James Watson und Francis Crick neunzehnhundertdreiundfünfzig aufgeklärt, mit Röntgenbildern von Rosalind Franklin.

Aus der Paarungsregel folgt etwas Messbares. Zählen wir die Basen unseres Beispiels, in beiden Strängen: fünfmal A, fünfmal T, dreimal G, dreimal C. Fällt dir was auf? Genauso viel A wie T, genauso viel G wie C. Das gilt für jede doppelsträngige D-N-A, denn jedes A hat ein T als Partner, jedes G ein C. Das ist die Chargaff-Regel, nach dem Biochemiker Erwin Chargaff.

Aber wo steckt der Bauplan? Nicht in den Bausteinen selbst, sondern in ihrer Reihenfolge. Beim Morsen reichen sogar zwei Zeichen, kurz und lang, für jeden Satz. Die D-N-A hat vier. Ein Abschnitt mit der Anleitung für ein bestimmtes Produkt, meist ein Protein, heißt Gen. Ein Gen ist also nur ein Abschnitt der D-N-A.

Und davon hast du reichlich: In fast jeder deiner Körperzellen stehen rund sechs Milliarden Basenpaare, zusammen etwa zwei Meter D-N-A. Fast die ganze D-N-A steckt im Zellkern, ein winziger Rest in den Mitochondrien, bei Pflanzen auch in den Chloroplasten. Und der Zellkern misst nur wenige Tausendstel Millimeter. Als würdest du etwa zwanzig Kilometer hauchdünnen Faden in einen Tennisball stopfen. Wie geht das? Die D-N-A wickelt sich um Proteinkugeln, die Histone, wie Garn um Spulen. Viele solche Spulen, locker aufgerollt, ergeben das Chromatin. In dieser lockeren Form kann die Zelle sie ablesen.

Für eine Zellteilung aber wird das Chromatin viel enger aufgewickelt. Erst dann entstehen die kompakten Chromosomen, die man im Mikroskop sieht. Ein Chromosom ist also ein D-N-A-Molekül mit seinen Proteinen, mal locker, mal dicht verpackt. Beim Menschen sind es sechsundvierzig, zwei Sätze zu je dreiundzwanzig. Funfact: Die Gartenerdbeere hat acht Chromosomensätze, die Walderdbeere nur zwei. In jeder Zelle steckt also mehr D-N-A, und weil die reife Frucht so weich ist, kommt sie leicht heraus. Acht Sätze. Endlich jemand, der mich versteht.

Und die bekannte X-Form? Die hat ein Chromosom nur zu Beginn einer Zellteilung. Dann ist es schon kopiert und dicht verpackt: Zwei gleiche D-N-A-Moleküle hängen zusammen, die Schwesterchromatiden. Merksatz: Die D-N-A ist eine Doppelhelix aus zwei antiparallelen Strängen. A paart mit T, G mit C, und die Reihenfolge der Basen ist die Information. Bleibt die Frage: Wie entstehen die zwei gleichen Kopien im X?

Wie die DNA kopiert wird (8:47)

Die Antwort steckt in der Paarungsregel. Wenn A immer zu T passt und G zu C, legt jeder Strang fest, wie sein Partner aussieht. Ein Strang reicht also, um den anderen neu zu bauen. Und kopieren muss die Zelle oft: vor jeder Teilung sechs Milliarden Basenpaare, in wenigen Stunden.

Stell dir wieder den Reißverschluss vor. Die Zelle öffnet ihn, und an jeder offenen Hälfte wächst eine neue Hälfte nach. Am Ende hast du zwei Reißverschlüsse, jeder halb alt, halb neu. So läuft die Replikation, das Kopieren der D-N-A. Das Prinzip heißt semikonservativ: Semi heißt halb, konservativ heißt bewahrend. Eine Hälfte bleibt erhalten.

An unserem Beispiel. Der Doppelstrang öffnet sich. Der obere Strang bekommt einen neuen Partner: C, T, A, A, T, G, T, C, also genau das, was vorher unten stand. Der untere bekommt ebenfalls einen neuen, und der gleicht dem alten oberen. Heraus kommen zwei Doppelstränge, beide genau wie das Original. Merksatz: Die Replikation ist semikonservativ. Jeder neue Doppelstrang besteht aus einem alten und einem neuen Strang.

Wo fängt die Zelle an? An Startstellen, den Replikationsursprüngen. Dort öffnet sich der Doppelstrang zu einer Blase, die in beide Richtungen wächst. An ihren Rändern trennen sich die Stränge wie die Zinken einer Gabel: die Replikationsgabel. Bakterien haben meist einen Ursprung, deine Zellen Zehntausende, verteilt auf alle Chromosomen. Denn bei dir kommen an jeder Gabel nur einige Dutzend Bausteine pro Sekunde dazu, mit einem einzigen Start bräuchte ein großes Chromosom Wochen. Kurz: viele Startstellen, und an jeder laufen zwei Gabeln auseinander.

Vier Werkzeuge an der Gabel (10:39)

Schauen wir in eine Gabel hinein. Dort arbeiten Werkzeuge der Zelle, Enzyme. Vier davon lernst du kennen, und du erkennst sie an der Endung ase. Das erste sitzt ganz vorne: die Helicase. Sie löst die Wasserstoffbrücken zwischen den Basen, eine nach der anderen, und der Reißverschluss geht auf. Hier zahlt sich aus, dass die Brücken schwach sind. Jetzt liegen die Basen beider Stränge frei, und jeder Strang wird zur Vorlage.

Dann kommt das wichtigste Werkzeug, die D-N-A-Polymerase. Sie liest die Vorlage und hängt die passenden Bausteine an den neuen Strang. Dabei gilt eine strenge Regel, wie bei der Polonaise: Neue Bausteine kommen nur hinten dran, ans freie drei-Strich-Ende. Deshalb wächst jeder neue Strang von fünf-Strich nach drei-Strich. Und weil die beiden Stränge gegenläufig liegen, liest sie die Vorlage von drei-Strich nach fünf-Strich. Kurz: Neue Bausteine kommen nur ans drei-Strich-Ende.

Und wie fängt die Polymerase an? Gar nicht von allein. Sie kann nur verlängern, braucht also schon ein freies drei-Strich-Ende. Ohne erste Person keine Polonaise. Für diese erste Person sorgt ein weiteres Werkzeug, die Primase. Sie baut ein kurzes Startstück, den Primer, aus R-N-A, einer nahen Verwandten der D-N-A. Der Primer ist nur geliehen, später muss er wieder raus. Also: Die Primase setzt den Primer, die Polymerase verlängert ihn.

Jetzt wird es spannend, denn die beiden Vorlagen laufen gegenläufig. Stell dir jede freie Vorlage als Zaun vor, der nach rechts immer länger wird, weil sich die Gabel weiter öffnet. Die Polymerase ist jemand, der ihn streicht. An der einen Vorlage zeigt das drei-Strich-Ende des neuen Strangs genau nach rechts, zur Gabel. Hier streicht sie einfach in die Richtung, in die der Zaun wächst: Sie folgt der Helicase und baut am Stück. Dieser Strang heißt Leitstrang. Er entsteht kontinuierlich, ohne Unterbrechung.

An der anderen Vorlage liegt das drei-Strich-Ende andersherum. Der neue Strang müsste nach links wachsen, weg von der Gabel. Kann die Polymerase nicht einfach umdrehen? Nein. Sie hängt nur am drei-Strich-Ende an. Das ist, als dürfte sie den Zaun nur nach links streichen, während er rechts immer länger wird. Also springt sie ein Stück nach rechts, ans neue Ende, und streicht zurück bis zum gestrichenen Stück. Immer wieder.

Genau so entsteht dieser Strang: Stück für Stück, jedes mit eigenem Primer, also diskontinuierlich, mit Unterbrechungen. Er heißt Folgestrang, denn er folgt der Gabel immer ein Stück hinterher. Die Stücke heißen Okazaki-Fragmente. Okazaki-Fragmente. Klingt wie ein Anime. Benannt sind sie nach dem japanischen Forscherpaar Okazaki. Merksatz: Der Leitstrang entsteht am Stück, der Folgestrang in Okazaki-Fragmenten, weil die Polymerase nur am drei-Strich-Ende verlängert.

Bleiben die Primer. Sie sind aus R-N-A und gehören nicht in die fertige D-N-A. Andere Enzyme ersetzen sie durch D-N-A-Bausteine. Zwischen den Stücken bleibt dann eine winzige Lücke im Rückgrat. Die schließt das letzte Werkzeug, die Ligase, wie eine letzte Naht. Merksatz: Die Primer werden durch D-N-A ersetzt, die Ligase verbindet die Fragmente.

Und jetzt alles zusammen, an unserem Beispiel. Die Helicase öffnet. Unten läuft die Polymerase glatt mit, oben setzt sie Stück für Stück neu an, und die Ligase schließt die Lücken. Am Ende stehen zwei Doppelstränge da, beide mit derselben Basenfolge wie das Original. Jede Kopie ist halb alt, halb neu.

Dr. Krake: Hoppla. Meine frische Kopie hat Besuch.

Bärtierchen: Türsteher. Strahlenschäden lass ich kaum rein. Ich hab D-Sup, ein Schutzprotein für meine D-N-A. Hat nicht jedes Bärtierchen.

Dr. Krake: Und das hilft?

Bärtierchen: Mein D-Sup-Gen, eingebaut in menschliche Zellen: nach Röntgenstrahlung deutlich weniger D-N-A-Brüche.

Dr. Krake: Krieg ich auch einen Türsteher?

Bärtierchen: Sorry. Du stehst nicht auf der Liste.

Na gut, dann ohne Türsteher. Gegen Fehler beim Kopieren passt deine Zelle selbst auf. Greift die Polymerase mal den falschen Baustein, etwa C gegenüber T, passt die Form nicht. Sie merkt das, geht einen Schritt zurück, entfernt den falschen Baustein und setzt den richtigen ein. Das heißt Korrekturlesen. Zusammen mit weiteren Reparaturen bleibt am Ende nur etwa ein Fehler auf eine Milliarde Bausteine. Merksatz: Helicase öffnet, Primase setzt Primer, Polymerase verlängert nur am drei-Strich-Ende, Ligase verbindet. Heraus kommen zwei identische Doppelstränge.

Deep Dive, der Meselson-Stahl-Versuch (15:34)

Halb alt, halb neu, das klingt logisch. Aber woher weiß man das eigentlich? Es gab drei Ideen. Erstens: Die alte D-N-A bleibt ganz, daneben entsteht eine komplett neue, wie beim Kopierer. Das wäre konservativ. Zweitens: Jede Kopie besteht aus einem alten und einem neuen Strang, also semikonservativ. Drittens: Alte und neue Stücke sind in jedem Strang gemischt, wie ein Flickenteppich. Das nennt man dispersiv.

Neunzehnhundertachtundfünfzig prüften das zwei junge Forscher, Matthew Meselson und Franklin Stahl. Ihr Problem: Alte und neue D-N-A sehen gleich aus. Ihre Idee: die alte etwas schwerer machen. Dafür nahmen sie Stickstoff, der in jeder Base steckt. Davon gibt es zwei stabile Sorten, Isotope. Üblich ist Stickstoff vierzehn. Stickstoff fünfzehn hat ein Neutron mehr und ist etwas schwerer.

Zuerst wuchsen Bakterien der Art E. coli viele Generationen lang in einer Nährlösung mit Stickstoff fünfzehn. Danach war ihre gesamte D-N-A schwer. Dann kamen sie in eine Nährlösung mit Stickstoff vierzehn. Ab jetzt ist jeder neu gebaute Strang leicht. Nach jeder Generation nahmen sie eine Probe. Wie schwer ist die D-N-A jetzt?

Aber wie wiegt man D-N-A? Ein Trick aus der Küche: unten Salzwasser, darüber Leitungswasser. Ein Ei sinkt hinein und bleibt dort schweben, wo das Wasser genauso dicht ist wie das Ei. Meselson und Stahl schleuderten die D-N-A stundenlang in einer Zentrifuge, gelöst in einem schweren Salz. Dabei wird die Lösung nach unten immer dichter, ein Dichtegradient. Jede D-N-A schwebt dort, wo die Lösung so dicht ist wie sie selbst, als schmaler Streifen: eine Bande.

Stundenlang Schleudergang. Ich bin Wellengang gewohnt, aber da würde selbst mir schwindelig. Schwere D-N-A schwebt also weiter unten, leichte weiter oben. Und Generation null? Eine einzige Bande, unten, dort wo schwere D-N-A schwebt. Alles schwer, wie geplant.

Nach einer Generation: Was sagt jedes Modell voraus? Konservativ: Die alte D-N-A bleibt schwer, die neue ist leicht. Zwei Banden, unten und oben. Semikonservativ: Jeder Doppelstrang hat einen schweren und einen leichten Strang. Eine Bande in der Mitte. Dispersiv: Jeder Strang ist halb schwer, gemischt. Ebenfalls eine Bande in der Mitte. Gemessen: eine einzige Bande, genau in der Mitte.

Damit ist das konservative Modell raus. Es entsteht also keine komplett neue D-N-A neben der alten. Dann semikonservativ, fertig? Noch nicht. Das dispersive Modell sagt dasselbe voraus. Erst die zweite Generation trennt die beiden.

Nach zwei Generationen. Semikonservativ: Die mittleren Doppelstränge öffnen sich wieder, und jeder Strang bekommt einen leichten Partner. Das ergibt zwei mittlere und zwei leichte Doppelstränge. Also zwei Banden, Mitte und oben, gleich stark. Dispersiv: Alles wird noch einmal gleichmäßig gemischt. Also wieder nur eine Bande, zwischen Mitte und oben.

Und gemessen? Zwei Banden, eine in der Mitte, eine oben, gleich stark. Genau wie semikonservativ vorhergesagt. Merksatz: Der Meselson-Stahl-Versuch zeigt, dass die Replikation semikonservativ ist. Nach einer Generation gibt es eine mittlere Bande, nach zwei Generationen eine mittlere und eine leichte.

Prüfung (19:17)

Die Zentrifuge hat Feierabend. Zurück zu unseren acht Basenpaaren, die warten nämlich auf dich. Aufgabe eins, Niveau Klasse neun und zehn. Teil a: Der obere Strang lautet von fünf-Strich nach drei-Strich G, A, T, T, A, C, A, G. Schreibe den Gegenstrang auf, ebenfalls von fünf-Strich nach drei-Strich. Teil b: Eine doppelsträngige D-N-A enthält dreißig Prozent Adenin. Wie viel Prozent Guanin? Drück Pause. Ich tanz derweil Polonaise. Allein. Vorne und hinten gleichzeitig.

Lösung zu Teil a: Gegenüber stehen C, T, A, A, T, G, T, C, aber das ist von drei-Strich nach fünf-Strich gelesen. Rückwärts, also von fünf-Strich nach drei-Strich: C, T, G, T, A, A, T, C. Die Falle: Wer die Richtung vergisst, verliert den Punkt. Teil b: Dreißig Prozent Adenin heißt dreißig Prozent Thymin, zusammen sechzig. Bleiben vierzig für G und C, also je zwanzig Prozent.

Eine Stufe schwerer. Aufgabe zwei, Niveau Oberstufe: „Erklären Sie, warum bei der Replikation ein Strang kontinuierlich und der andere diskontinuierlich synthetisiert wird.“ Erklären heißt: einen Sachverhalt nachvollziehbar machen, indem du ihn auf Regeln und Gesetzmäßigkeiten zurückführst. Drück Pause und formuliere.

Volle Punkte gibt es für drei Teile. Erstens, die Voraussetzung: Die beiden Stränge sind antiparallel. Zweitens, die Regel: Die D-N-A-Polymerase verlängert nur ein vorhandenes drei-Strich-Ende, sie synthetisiert also nur von fünf-Strich nach drei-Strich. Drittens, die Folge: An einer Vorlage läuft die Synthese in Richtung der Replikationsgabel, der Leitstrang entsteht kontinuierlich. An der anderen läuft sie von der Gabel weg. Weil sich die Gabel weiter öffnet und immer neue Vorlage frei wird, muss die Polymerase dort immer wieder an neuen Primern ansetzen. Der Folgestrang entsteht also diskontinuierlich, in Okazaki-Fragmenten, die die Ligase nach dem Ersatz der Primer verbindet.

Merk dir drei Dinge (21:38)

Das war die D-N-A. Merk dir drei Dinge. Erstens: Die D-N-A ist eine Doppelhelix aus zwei antiparallelen Strängen, A paart mit T, G mit C. Zweitens: Die Replikation ist semikonservativ, jede Kopie besteht aus einem alten und einem neuen Strang. Drittens: Die Polymerase verlängert nur am drei-Strich-Ende, deshalb entsteht der Folgestrang in Stücken. Das Quiz und den Lernzettel zu diesem Video findest du kostenlos auf achtmalklug punkt de. Klemmt bei dir mal ein Reißverschluss? Ruf die Helicase. Bleib neugierig.

Quellen und Korrekturen
  • Urry u. a.: Campbell Biologie (11. Aufl.), Kapitel 12 und 16 (Zellzyklus, Chromosomen, DNA-Struktur, Replikation, Meselson-Stahl)
  • Alberts u. a.: Molekularbiologie der Zelle, Kapitel 4 und 5 (DNA, Nukleosomen, Chromosomen, Replikation, Korrekturlesen, Tabelle 5-1)
  • Markl Biologie Oberstufe; Natura Biologie, Schulbuchdarstellung Nukleotid, Basenpaarung, Doppelhelix
  • Watson, Crick (1953); Franklin, Gosling (1953), Nature 171: 737–738 und 964–967; Nature 171: 740–741 (Doppelhelix, Röntgenbeugung)
  • Chargaff (1950), Experientia 6: 201–209 (A = T, G = C)
  • Meselson, Stahl (1958); Meselson, Stahl, Vinograd (1957), PNAS 44: 671–682; PNAS 43: 581–588 (Replikation in E. coli, Dichtegradient)
  • Okazaki u. a. (1968), PNAS 59: 598–605 (Okazaki-Fragmente)
  • Méchali (2010), Nat. Rev. Mol. Cell Biol. 11: 728–738 (Zahl und Zeitpunkt der Replikationsursprünge)
  • Kunkel, Bebenek (2000); Kunkel (2004), Annu. Rev. Biochem. 69: 497–529; J. Biol. Chem. 279: 16895–16898 (Fehlerrate, Korrekturlesen)
  • Luger u. a. (1997), Nature 389: 251–260 (Nukleosom, Histone)
  • Nurk u. a. (2022); Anderson u. a. (1981), Science 376: 44–53; Nature 290: 457–465 (Größe des Genoms, DNA der Mitochondrien)
  • Yakovchuk, Protozanova, Frank-Kamenetskii (2006), Nucleic Acids Res. 34: 564–574 (Basenpaarung und Basenstapelung)
  • BioNumbers (Harvard), Einträge 104136 und 111771 (Gabeltempo, Zahl der Ursprünge)
  • IQB/KMK: Grundstock von Operatoren für Biologie, Chemie, Physik (2022), Eintrag „erklären“
  • Niedersächsisches Kultusministerium: Operatoren Biologie, Chemie, Physik (Abitur ab 2024), bildungsportal-niedersachsen.de (Operator „erklären“)
  • Learn.Genetics (University of Utah); Bayer Science-Lab, „How to extract DNA from anything living“; DNA-Extraktion (Küchenversuch)
  • Faktencheck, unabhängige Prüfdurchläufe am 20.10.2026 (Skript und Bild) und 20.10.2026 (Material)

Faktencheck vom 20.10.2026.

Bisher keine Korrekturen. Fehler gefunden? Schreib uns.