Mutationen: Warum du ein Mutant bist und es nicht merkst

  • Klasse 9/10
  • Oberstufe
  • ca. 16 Minuten

Woher Mutationen kommen, was ein einzelner Buchstabe und ein ganzes Chromosom verändern, wann ein Kind eine Mutation erben kann und die drei Fehler, die in Klassenarbeiten immer wieder vorkommen.

Das Wichtigste in drei Sätzen

  1. Eine Mutation ist eine dauerhafte Änderung im Erbgut. Sie entsteht zufällig, und beim Kopieren der DNA schreibt die Zelle sie mit ab.

  2. Ob eine Mutation etwas ausmacht, hängt davon ab, wo sie steht. Meist ist sie egal, wenn sie weder ein Protein ändert noch steuert, wie viel davon gebaut wird.

  3. Beim Menschen wird nur vererbt, was in den Keimzellen steckt. Eine Mutation in einer Körperzelle endet mit dir, auch wenn daraus Krebs entstehen kann.

Grundlagen

KopierfehlerPolymerase liest KorrekturReparatur-EnzymeSchädenRest: Mutation

Woher Mutationen kommen

Die DNA ist ein Text aus vier Basen: A, T, G und C. Ein Chromosomensatz hat rund 3,2 Milliarden davon. Vor der Teilung einer Körperzelle kopiert die DNA-Polymerase den Text und liest sofort Korrektur. Andere Enzyme reparieren das meiste vom Rest. Grob ein Fehler auf eine Milliarde Basen bleibt, oft weniger. Dazu kommen Schäden, etwa durch UV-Licht. Was bleibt, schreibt die Zelle beim nächsten Kopieren mit ab. Welche Stelle es trifft, ist Zufall.

Mutation
dauerhafte Änderung der Erbinformation
Mutagen
alles, was Mutationen auslösen kann, etwa UV-Licht
Genom
das gesamte Erbgut
Strang, der sich wie mRNA liestGenCTTGGATACmRNACUUGGAUACCodonCUUGGAUACProteinLeuGlyTyr

Wie die Zelle ein Gen liest

Oft stehen mehrere Codons für dieselbe Aminosäure. Ändert sich in der DNA eine einzige Base, heißt das Punktmutation.

  1. Gen DNA-Abschnitt mit der Bauanleitung für ein Protein.
  2. mRNA Abschrift des Gens (Transkription), U statt T.
  3. Codon Dreiergruppe, die das Ribosom liest (Translation).
  4. Protein Kette aus Aminosäuren, je eine pro Codon.

Drei Ebenen: im Gen (1 bis 4), am Chromosom (5), im Genom (6)

  1. CUULeuCUCLeu

    Stumm

    Gleiche Aminosäure

    Genmutation: Eine Base ist getauscht, das heißt Substitution.

    Aus CUU wird CUC, beides steht für Leucin. Das Protein bleibt gleich.

    Erkennst du an Anderes Codon, gleiche Aminosäure.

  2. GAGGluGUGValbei wenig Sauerstoff

    Missense

    Andere Aminosäure

    Sichelzellanämie: Auf der mRNA steht GUG statt GAG. Unpolares Valin ersetzt geladenes Glutamat. Bei wenig Sauerstoff bildet das Hämoglobin Fasern.

    Erkennst du an Eine Aminosäure ist anders.

  3. UACUAAStopp

    Nonsense

    Zu früher Stopp

    Aus UAC wird UAA, ein Stoppcodon.

    Das Protein bricht zu früh ab. Meistens kann es seine Aufgabe nicht mehr erfüllen.

    Erkennst du an Die Kette bricht zu früh ab.

  4. DIEKUHSAHDENHAIDIEKHSAHDENHAI

    Rasterschub

    Raster verschoben

    Eine Base fehlt (Deletion) oder kommt dazu (Insertion).

    Dahinter ändern sich fast alle Aminosäuren. Fehlen drei Basen, bleibt das Raster.

    Erkennst du an Hinter der Stelle ist fast alles anders.

  5. ABCDEFfehltABDEFdoppeltABCCDEFverkehrtABDCEFversetztABDEFXYC

    Chromosom

    Fehlt, doppelt, verkehrt, versetzt

    Chromosomenmutation: Ein Stück mit vielen Genen ändert sich. Das sind Deletion, Duplikation, Inversion und Translokation.

    Erkennst du an Die Abschnitte stimmen nicht mehr.

  6. Meiose IMeiose IIein Paar24242222

    Genom

    Zahl der Chromosomen

    Genommutation: Die Chromosomenzahl ändert sich. Sind einzelne zu viel oder fehlen, ist das Aneuploidie, oft nach Non-Disjunction. Beispiele: Trisomie 21, Turner-Syndrom (45,X), Klinefelter-Syndrom (47,XXY).

    Erkennst du an Beim Menschen nicht 46 Chromosomen.

Kein Ablauf: Die sechs Arten stehen nach Maßstab geordnet, vom Buchstaben bis zur Chromosomenzahl.

Schema

In welcher Zelle steckt die Mutation?

  • endet mit dir

    Somatische Mutation

    Sie steckt in einer Körperzelle und geht an deren Tochterzellen. Daraus kann Krebs entstehen, aber die Mutation endet mit dir.

  • kann ans Kind gehen

    Keimbahnmutation

    Sie steckt in einer Keimzelle oder deren Vorläufern und kann ans Kind gehen. Dort steckt sie in jeder Zelle mit Kern.

Drei typische Fehler

Im Video ab 11:39 (auf YouTube ab 11:39, neuer Tab), Kapitel „Typische Fehler“.

  1. Falsch

    „Mutationen sind immer schädlich.“

    Richtig

    Die meisten sind neutral, manche schaden, wenige nützen. Eine Sichelzell-Kopie schützt besser vor schwerer Malaria (Heterozygotenvorteil).

  2. Falsch

    „Jede Mutation wird an die Kinder vererbt.“

    Richtig

    Frag immer zuerst, in welcher Zelle die Mutation steckt. In einer Körperzelle endet sie mit dir, nur aus einer Keimzelle kann ein Kind sie erben.

  3. Falsch

    „Mutationen entstehen, wenn ein Lebewesen sie braucht.“

    Richtig

    Mutationen entstehen zufällig. Ein Antibiotikum erzeugt keine Resistenz: Es tötet die anderen, die schon resistenten Bakterien vermehren sich. Das ist Selektion.

Quiz: sechs Fragen zum Thema Mutationen

Sofort ausgewertet, ohne Anmeldung. Es werden keine Daten gesendet. Die falschen Antworten sind genau die Fehler aus dem Video.

  1. Welche Aussage über Mutationen stimmt?

  2. Bei der Sichelzellanämie steht auf der mRNA GUG statt GAG. Dadurch ersetzt Valin das Glutamat. Welche Mutation ist das?

  3. Mitten in der Bauanleitung eines Gens fehlt eine einzige Base. Was passiert meist mit dem Protein?

  4. Ein Mensch hat 47 Chromosomen, Chromosom 21 liegt dreimal vor. Wie heißt diese Art von Mutation, und was ist die Ursache?

  5. In einer Hautzelle entsteht eine Mutation. Was stimmt?

  6. Ein Antibiotikum tötet die meisten Bakterien einer Kolonie, ein paar wachsen weiter. Woher kommt deren Resistenz?

Prüfungsaufgaben

Erst selbst lösen, dann die Lösung aufklappen.

Die leichtere

Der Anfang einer mRNA lautet AUG GAA UGG AAA. Bei Person 1 steht im zweiten Codon GAG statt GAA, bei Person 2 im dritten Codon UGA statt UGG. Benenne beide Mutationen und beschreibe die Folgen für das Protein.

Tipp Der genetische Code sagt: AUG ist Methionin und Start, GAA und GAG sind Glutamat, UGG ist Tryptophan, UGA ist Stopp.

Lösung anzeigenLösung ausblenden

Musterlösung in drei Teilen

  1. Erstens: Person 1 hat eine stumme Mutation, eine Substitution. GAA und GAG stehen beide für Glutamat, das Protein bleibt gleich.
  2. Zweitens: Person 2 hat eine Nonsense-Mutation, auch eine Substitution. UGA ist ein Stoppcodon.
  3. Drittens: Das Protein von Person 2 bricht nach zwei Aminosäuren ab und kann seine Aufgabe in der Regel nicht erfüllen.

Oberstufe

Erläutere, wie durch Non-Disjunction eine Trisomie 21 entstehen kann. Begründe, warum das zusätzliche Chromosom in allen Körperzellen vorliegt.

erläutern
Du machst einen Sachverhalt anschaulich und mit zusätzlichen Infos verständlich.
begründen
Du führst eine Aussage auf Ursachen zurück.

Tipp Vier Zellen am Ende der Meiose, bei der Frau nur eine Eizelle. Fehler in Meiose I: 24, 24, 22, 22 Chromosomen, in Meiose II: 24, 22, 23, 23.

Lösung anzeigenLösung ausblenden

Musterlösung in drei Teilen

  1. Trennung: In der Meiose I trennen sich die homologen Chromosomen 21 nicht, oder in der Meiose II die Schwesterchromatiden. Eine Keimzelle erhält zwei Chromosomen 21, also insgesamt 24.
  2. Befruchtung: Mit einer Keimzelle mit 23 Chromosomen entsteht eine Zygote mit 47, Chromosom 21 dreimal.
  3. Begründung: Alle Körperzellen gehen durch Mitosen aus dieser Zygote hervor. Jede Mitose gibt den ganzen Satz weiter, deshalb tragen alle das zusätzliche Chromosom.

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Zwei Seiten: der Ablauf in Bildern, typische Fehler, Prüfungsaufgaben mit Lösung

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Transkript

Einstieg (0:00)

Du tippst in den Klassenchat: Bin krank. Die Autokorrektur tauscht einen Buchstaben: Bin Frank. Ab jetzt heißt du Frank. Dein Erbgut kennt das. Du bist ein Mutant.

Superkräfte sind leider nicht dabei. Dein Erbgut hat einige Dutzend Tippfehler, die deine Eltern nicht hatten. Wann ist so einer egal, wann verändert er ein ganzes Leben, und wann erbt ihn ein Kind? Es kommt darauf an, wo er steht: in welchem Wort und in welcher Zelle. Solche Tippfehler heißen Mutationen: dauerhafte Änderungen im Erbgut. Erst, woher sie kommen, dann, was ein Buchstabe und ein ganzes Chromosom verändern, dann drei typische Fehler und zwei Prüfungsaufgaben.

Tippfehler im Erbgut (0:44)

Woher kommen solche Tippfehler? Schau in den Kern einer deiner Zellen. Hier liegt dein Erbgut, die D-N-A. Du kannst sie lesen wie einen Text, nur mit vier Buchstaben: A, T, G und C. Das sind die Basen. In einem Chromosomensatz stehen rund drei Komma zwei Milliarden davon. Und fast jede deiner Zellen mit Kern hat zwei Sätze, je einen von Mutter und Vater.

Bevor sich eine Körperzelle teilt, kopiert sie diesen Text komplett, Buchstabe für Buchstabe. Das macht ein Enzym, die D-N-A-Polymerase. Vertippt die sich nie? Doch, aber selten. Sie liest sofort Korrektur, und was dann noch falsch ist, reparieren andere Enzyme. Am Ende bleibt grob ein Fehler auf eine Milliarde Buchstaben, oft weniger. Zum Vergleich: Ich tippe mit acht Armen. Mein Rekord sind drei Wörter ohne Fehler.

Zu den Kopierfehlern kommen Schäden von außen, etwa durch U-V-Licht oder bestimmte Chemikalien. Alles, was die D-N-A so verändern kann, heißt Mutagen. Funfact: In jeder deiner Zellen wird die D-N-A jeden Tag viele tausend Mal beschädigt, meist von innen. Fast alles davon wird repariert, bevor du je davon erfährst.

Und der winzige Rest? Der bleibt im Text stehen. Beim nächsten Kopieren wird er mit abgeschrieben. Genau das ist eine Mutation: eine dauerhafte Änderung der Erbinformation. Und sie passiert zufällig. Niemand sucht die Stelle aus.

Wie viel sich dabei ändert, ist verschieden. Ganz nah: ein Buchstabe in einem Gen, dem Abschnitt mit der Bauanleitung für ein Protein. Das ist eine Genmutation. Weiter zurück: ein ganzes Stück eines Chromosoms, eine Chromosomenmutation. Ganz weit zurück: die Zahl der Chromosomen. Das ist eine Genommutation, denn das Genom ist das gesamte Erbgut. Merksatz: Mutationen gibt es auf drei Ebenen: im Gen, am Chromosom, im ganzen Genom. Fangen wir klein an, mit einem einzigen Buchstaben. Was kann der schon anrichten?

Vom Buchstaben zum Chromosom (2:51)

Dafür musst du wissen, wie die Zelle liest. Das Gen wird abgeschrieben, in eine m-R-N-A, dort steht U statt T. Diese Abschrift liest das Ribosom in Dreiergruppen. So eine Dreiergruppe heißt Codon. Ein Codon steht für eine Aminosäure. Viele Aminosäuren ergeben ein Protein. Oft stehen mehrere Codons für dieselbe Aminosäure.

Jetzt ändert sich in der D-N-A eine einzige Base. Das heißt Punktmutation. Meist wird dabei eine Base gegen eine andere getauscht, wie das K gegen das F: eine Substitution, auf Deutsch Basenaustausch. Das kann drei Ausgänge haben. Erster Ausgang: Aus C-U-U wird C-U-C. Beide stehen für Leucin. Anderer Buchstabe, gleiche Aminosäure, gleiches Protein. Das ist eine stumme Mutation. Wie hallo mit kleinem und großem H: Im Chat liest du dasselbe.

Zweiter Ausgang: Aus G-G-A wird A-G-A. Das war Glycin, jetzt steht dort Arginin. Eine andere Aminosäure in derselben Kette: Das ist eine Missense-Mutation, wie krank und Frank, ein neues Wort im selben Satz. Was macht das mit dem Protein? Kommt darauf an, wo die Aminosäure sitzt und wie anders die neue ist.

Dritter Ausgang: Aus U-A-C wird U-A-A, und das ist ein Stoppcodon: Hier ist die Kette zu Ende. Du tippst: Schick mir die Hausaufgaben. Dein Daumen rutscht auf Senden, und im Chat steht nur: Schick mir die Hau. Genauso bricht das Protein zu früh ab. Das ist eine Nonsense-Mutation. Meistens kann so ein Rest seine Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Merksatz: Stumm heißt gleiche Aminosäure, Missense heißt andere Aminosäure, Nonsense heißt zu früher Stopp. Noch ein Grund, warum viele Mutationen egal sind: Der größte Teil des Erbguts baut gar kein Protein. Eine Änderung dort bleibt meist folgenlos.

Bisher wurde nur getauscht. Und wenn eine Base ganz verschwindet? Das heißt Deletion. Kommt eine dazu, heißt das Insertion. Nimm einen Satz, in dem jedes Wort drei Buchstaben hat, wie ein Codon: Die Kuh sah den Hai. Jetzt nehme ich das U aus Kuh heraus. Alles dahinter rückt nach, die Rahmen bleiben stehen. Das erste Wort stimmt noch. Der Rest ist Salat.

In der Zelle genauso. Das Ribosom liest stur weiter in Dreiergruppen, nur sind es jetzt andere. Das Leseraster hat sich verschoben, das ist ein Rasterschub. Vor der Stelle bleibt alles gleich, dahinter ändern sich fast alle Aminosäuren, bis zufällig ein Stoppcodon kommt. Bei einer Insertion genauso. Und wenn drei Buchstaben auf einmal fehlen? Dann bleibt das Raster, und meist fehlt nur ein Wort, also eine Aminosäure. Merksatz: Beim Rasterschub verschiebt sich alles dahinter, nicht nur ein Wort.

Die K-H-S, A-H-D, E-N-H, A-I. Wie findet man so eine Stelle in deinem Erbgut? Oh. Ausgedruckt sind das über zweitausend dicke Bände.

Und kein Inhaltsverzeichnis. Darin stecken deine Dutzende neuen Tippfehler, und fast alle stehen dort, wo sie nichts ändern. Darum merkst du nichts.

Trotzdem: Eine Stelle in diesen Bänden kennt die Medizin auf den Buchstaben genau. Schau durchs Mikroskop. Das ist Blut. Die meisten roten Blutzellen sind runde, flache Scheiben. Aber dazwischen liegen Zellen wie Sicheln. So kann das Blut von Menschen mit Sichelzellanämie aussehen. Warum hat eine Zelle so eine Form?

Jede rote Blutzelle ist randvoll mit Hämoglobin, dem Protein, das den Sauerstoff trägt. Reife Zellen haben keinen Kern mehr, gebaut wird es in Vorläuferzellen. Die Ursache steckt im Gen für einen Teil dieses Proteins, an einer einzigen Stelle. Auf dem D-N-A-Strang, der sich liest wie die m-R-N-A, steht dort üblicherweise G-A-G, das bedeutet Glutamat. Bei der Sichelzellanämie ist das A gegen ein T getauscht: G-T-G, auf der m-R-N-A G-U-G, und das bedeutet Valin. Du kennst das schon: eine Missense-Mutation.

Und jetzt schau, was dieser eine Tausch auslöst. Ein Buchstabe kippt. Eine Aminosäure wechselt. Das Protein wird klebrig, und die Zelle kippt mit. Ein Buchstabe von Milliarden. Eine Aminosäure von Hunderten. Und die ganze Zelle hat eine andere Form.

Wie geht das? Das Valin macht das Hämoglobin an einer Stelle klebrig. Vor allem bei wenig Sauerstoff lagert es sich zu langen, steifen Fasern zusammen, und die drücken die Zelle in die Sichelform. Solche Zellen sind starr, können in engen Blutgefäßen hängen bleiben und gehen schneller kaputt. So entsteht eine Blutarmut, Fachwort Anämie. Sichelzellanämie hat, wer zwei veränderte Kopien des Gens trägt, von jedem Elternteil eine. Merksatz: Ein Basenaustausch, eine andere Aminosäure, ein anderes Protein.

All das kam von einem einzigen Buchstaben. Eine Stufe höher steht das ganze Chromosom. Hier sind seine Abschnitte A bis F. Bei einer Chromosomenmutation ändert sich ein ganzes Stück, mit vielen Genen. Fehlt ein Stück, hier C, ist das eine Deletion, dasselbe Wort wie bei der einzelnen Base. Ist ein Stück doppelt, heißt das Duplikation. Steht es verkehrt herum, Inversion. Sitzt es an einem anderen Chromosom, Translokation. Wie eine Nachricht im falschen Chat. Merksatz: fehlt, doppelt, verkehrt, versetzt.

Noch eine Stufe höher geht es um die Zahl: Bei einer Genommutation gibt es Chromosomen zu viel oder zu wenig. Wie kann das passieren? Deine Körperzellen haben sechsundvierzig Chromosomen, dreiundzwanzig Paare. Die beiden eines Paares heißen homologe Chromosomen. Für Ei- und Samenzellen halbiert die Meiose diesen Satz: Von jedem Paar geht genau eines in die Keimzelle, also dreiundzwanzig Chromosomen.

Meistens klappt diese Trennung. Manchmal aber trennt sich ein Paar nicht, beide wandern auf eine Seite. Das nennt man Non-Disjunction, auf Deutsch Nicht-Trennung. Von den vier Zellen am Ende der Meiose bekommen dann zwei beide Chromosomen, die anderen zwei keins. Das kann in der ersten Teilung der Meiose passieren. Oder in der zweiten, bei den beiden Hälften eines Chromosoms, den Schwesterchromatiden: Dann bleiben zwei normal.

Trifft bei der Befruchtung eine Keimzelle mit zwei Chromosomen einundzwanzig auf eine mit einem, entstehen siebenundvierzig Chromosomen. Chromosom einundzwanzig liegt dann dreimal vor. Das heißt Trisomie einundzwanzig, und sie steckt dann in jeder Körperzelle. Die allermeisten Menschen mit Down-Syndrom haben dieses zusätzliche Chromosom. Sie sind so verschieden wie alle Menschen, auch darin, was sie können und welche Unterstützung sie brauchen. Merksatz: Trennen sich die Chromosomen einundzwanzig in der Meiose nicht, kann Trisomie einundzwanzig entstehen: siebenundvierzig Chromosomen.

Dieses Chromosom kam aus einer Keimzelle. Das führt zur dritten Frage: Wann erbt ein Kind eine Mutation? Schau auf zwei Zellen: eine Hautzelle und eine Keimzelle. Mutiert die Hautzelle, gibt sie die Änderung an ihre Tochterzellen weiter. Daraus kann Hautkrebs entstehen, aber die Mutation bleibt in deinem Körper und endet mit dir. Das heißt somatische Mutation, von Soma, Körper.

Und die Keimzelle? Steckt eine Mutation in einer Ei- oder Samenzelle oder ihren Vorläufern, kann sie ans Kind gehen. Das heißt Keimbahnmutation. Beim Kind steckt sie in jeder Zelle mit Kern, denn alle gehen aus der befruchteten Eizelle hervor, der Zygote. Merksatz: Vererbt wird nur, was in den Keimzellen steckt.

Da schließt sich der Kreis. Deine neuen Tippfehler sind vor allem in den Keimzellen deiner Eltern entstanden. Deshalb stecken sie in jeder deiner Zellen mit Kern. Und du merkst sie nicht, weil fast alle dort stehen, wo sie nichts ändern.

Damit hast du die drei Antworten. Meist egal ist eine Mutation, wenn sie weder ein Protein ändert noch steuert, wie viel davon gebaut wird. Ein ganzes Leben kann sie verändern, wenn sie ein wichtiges Protein trifft oder die Zahl der Chromosomen ändert. Und ein Kind kann sie erben, wenn sie in einer Keimzelle steckt. Es kommt immer darauf an, wo sie steht. Im Klassenchat kursieren dazu noch drei Sätze.

Typische Fehler (11:39)

Der erste Satz: „Mutationen sind immer schädlich.“ Nein. Die meisten sind neutral, manche schaden, manche nützen. Tippfehler klingt nach falsch, biologisch ist eine Mutation aber nur eine Änderung. Wer die Sichelzell-Mutation nur einmal trägt, ist sogar besser vor schwerer Malaria geschützt. Und viele Erwachsene vertragen Milch nur dank einer Mutation, die das Enzym Laktase eingeschaltet lässt. Ich nehme alles zurück, da ist sie doch, die Superkraft. Milcheis essen ohne Bauchweh.

Zweiter Satz: „Jede Mutation wird an die Kinder vererbt.“ Nein. Frag immer zuerst: In welcher Zelle steckt sie? In einer Körperzelle endet sie mit dir. Nur was in einer Keimzelle steckt, kann ein Kind erben.

Dritter Satz: „Mutationen entstehen, wenn ein Lebewesen sie braucht.“ Nein. Die Autokorrektur will wenigstens helfen. Eine Mutation will gar nichts. Sie entsteht zufällig, egal ob sie gebraucht wird oder nicht. Schau auf diese Bakterien. Ein Antibiotikum kommt dazu, die meisten sterben, ein paar wachsen weiter. Hat das Antibiotikum sie verändert? Nein. Ihre Resistenz war schon vorher da. Es hat nur die anderen getötet. Merksatz: Mutationen sind zufällig und meist neutral, und beim Menschen werden sie nur über Keimzellen vererbt.

Prüfung (13:03)

Wer das im Chat richtigstellen kann, schafft auch die Klausur. Aufgabe eins, die leichtere. Auf der Tafel steht der Anfang einer m-R-N-A. Bei Person eins steht im zweiten Codon G-A-G statt G-A-A, bei Person zwei im dritten Codon U-G-A statt U-G-G. „Benenne beide Mutationen und beschreibe die Folgen für das Protein.“ Drück Pause. Ich les gerade dein Erbgut Korrektur. Band drei. Bisher sauber.

Die Lösung in drei Punkten. Beides sind Substitutionen. Erstens: Person eins hat eine stumme Mutation, denn G-A-A und G-A-G stehen beide für Glutamat. Das Protein bleibt gleich. Zweitens: Person zwei hat eine Nonsense-Mutation, denn U-G-A ist ein Stoppcodon. Drittens: Ihr Protein bricht nach zwei Aminosäuren ab und kann seine Aufgabe in der Regel nicht erfüllen. Das sind drei sichere Punkte.

Aufgabe zwei, für die Oberstufe. Du siehst das Schema einer Meiose mit dem Chromosom einundzwanzig. „Erläutern Sie, wie durch Non-Disjunction eine Trisomie einundzwanzig entstehen kann. Begründen Sie, warum das zusätzliche Chromosom in allen Körperzellen vorliegt.“ Drück Pause und formuliere.

Volle Punkte gibt es für drei Teile. Erstens: In der ersten Teilung der Meiose trennen sich die homologen Chromosomen einundzwanzig nicht, oder in der zweiten Teilung die Schwesterchromatiden. Eine Keimzelle erhält zwei Chromosomen einundzwanzig, also vierundzwanzig Chromosomen. Zweitens: Nach der Befruchtung mit einer Keimzelle mit dreiundzwanzig Chromosomen hat die Zygote siebenundvierzig, Chromosom einundzwanzig dreimal. Drittens: Alle Körperzellen gehen durch Mitosen aus dieser Zygote hervor, und jede Mitose gibt den ganzen Satz weiter. Deshalb tragen alle das zusätzliche Chromosom.

Merk dir drei Dinge (15:05)

Das waren die Mutationen. Merk dir drei Dinge. Erstens: Eine Mutation ist eine dauerhafte Änderung im Erbgut. Zweitens: Ob sie etwas ausmacht, hängt davon ab, wo sie steht. Drittens: Vererbt wird nur, was in den Keimzellen steckt. Das Quiz und den Lernzettel zu diesem Video findest du kostenlos auf achtmalklug punkt de. Frank lässt übrigens grüßen. Das war keine stumme Mutation. Bleib neugierig.

Quellen und Korrekturen
  • Griffiths et al.: Introduction to Genetic Analysis, Abschnitt zum Luria-Delbrück-Fluktuationstest, 11. Auflage
  • Pierce: Genetics Essentials, Tabelle 6.3 (Chromosomenmutationen), Abschnitt The Human Genome
  • Cooper: The Cell, Meiosis and Fertilization, NCBI Bookshelf NBK9901
  • Jónsson et al. (2017), Nature 549: Parental influence on human germline de novo mutations in 1,548 trios from Iceland
  • Acuna-Hidalgo et al. (2016), Genome Biology 17: New insights into the generation and role of de novo mutations in health and disease
  • Fijalkowska, Schaaper, Jonczyk (2012), FEMS Microbiology Reviews 36: DNA replication fidelity in Escherichia coli
  • McCulloch, Kunkel (2008), Cell Research: The fidelity of DNA synthesis by eukaryotic replicative and translesion synthesis polymerases
  • Eyre-Walker, Keightley (2007), Nature Reviews Genetics 8: The distribution of fitness effects of new mutations
  • Williams et al. (2005), Journal of Infectious Diseases: Sickle cell trait and the risk of Plasmodium falciparum malaria
  • Parental origin and meiotic stage of non-disjunction in 139 cases of trisomy 21, PubMed 10214502
  • Lexikon der Biologie (Spektrum), Sichelzellenhämoglobin, Rastermutation, Genmutation
  • UniProt P68871 (HBB) und ClinVar HBB c.20A>T, Hämoglobin-β-Kette, Variante Glu6Val (HGVS p.Glu7Val)
  • MSD Manual Professional und NIH, Down Syndrome (Trisomy 21)
  • NCI Dictionary of Cancer Terms, somatic mutation
  • Bildungsplan Baden-Württemberg 2016, Biologie 9/10, 3.3.2 Genetik
  • LehrplanPLUS Bayern, Gymnasium, Jahrgangsstufe 11, Biologie
  • KMK (2020), Eckpunkte für die curricularen Vorgaben der gymnasialen Oberstufe
  • Oliver et al.: New Insights into Human Nondisjunction of Chromosome 21 in Oocytes, PMC2265487
  • MSD Manual Professional und MedlinePlus Genetics, Turner Syndrome; Klinefelter syndrome
  • IQB: Grundstock von Operatoren für Biologie, Chemie und Physik, Gemeinsame Abituraufgabenpools der Länder, Stand 31.03.2022
  • Hessisches Kultusministerium, Landesabitur 2025, Operatoren Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik
  • Faktencheck, unabhängige Prüfdurchläufe am 5.11.2026 (Skript, zwei Runden) und 5.11.2026 (Material)

Faktencheck vom 05.11.2026.

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