Ruhepotential: Ionen und Natrium-Kalium-Pumpe

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  • ca. 12 Minuten

Warum eine Nervenzelle in Ruhe innen negativ ist, wie der Kaliumausstrom das Ruhepotential von etwa −70 mV erzeugt, was die Natrium-Kalium-Pumpe dazu beiträgt, und zwei Prüfungsaufgaben fürs Abitur.

Das Wichtigste in drei Sätzen

  1. An der Membran einer ruhenden Nervenzelle sind die Ionen ungleich verteilt: innen viel K⁺ und große organische Anionen, außen viel Na⁺ und Chlorid.

  2. K⁺ strömt durch offene Leckkanäle hinaus, bis die zurückbleibende negative Ladung es fast ganz zurückhält. So entsteht das Ruhepotential: etwa −70 mV, innen negativ.

  3. Die Natrium-Kalium-Pumpe bringt je Takt 3 Na⁺ hinaus und 2 K⁺ herein und verbraucht dafür ATP. So hält sie die Gefälle aufrecht, die den K⁺-Ausstrom antreiben.

Grundlagen

innen: ZellplasmaaußenK+A−MembranNa+Cl−

Ionen an der Membran

Die Membran des Axons ist eine dünne Lipid-Doppelschicht. Innen liegt das Zellplasma, außen die Gewebsflüssigkeit. Innen gibt es etwa 30-mal so viel K⁺ wie außen, außen etwa 10-mal so viel Na⁺ wie innen.

Ionen
elektrisch geladene Teilchen, zum Beispiel K⁺ und Na⁺; negative heißen Anionen
Organische Anionen (A⁻)
große, negativ geladene Teilchen im Zellplasma, vor allem Proteine; sie passen durch keinen Kanal
Ruhepotential
Spannung einer Nervenzelle in Ruhe, etwa −70 mV, innen negativ
Zeit0−70mV1234

Die Messung

Gemessen wird mit zwei Elektroden: Die Referenzelektrode liegt außen, die Mikroelektrode ist ein Glasröhrchen mit einer Spitze, viel dünner als ein Haar.

  1. Beide außen Beide Elektroden liegen außen, das Gerät zeigt 0 mV.
  2. Einstich Die Mikroelektrode sticht durch die Membran.
  3. −70 mV Jetzt misst sie innen gegen außen: Innen ist die Zelle negativ.
  4. Konstant Der Wert bleibt, solange die Zelle nicht gereizt wird.

Der Ablauf: wie das Ruhepotential entsteht

  1. Leckkanäle

    Vor allem K⁺ kommt durch

    Kalium-Leckkanäle in der Membran lassen ständig etwas K⁺ durch.

    Na⁺ kommt kaum durch, die großen Anionen gar nicht: selektive Permeabilität.

    Erkennst du an K⁺ im Kanal, Na⁺ prallt ab, A⁻ passt nicht hinein.

  2. Ausstrom

    Wo K⁺ geht, bleibt Minus zurück

    Innen ist viel mehr K⁺, deshalb diffundieren mehr K⁺ hinaus als herein.

    Die Anionen bleiben zurück. Diese Ladungstrennung, innen Minus und außen Plus, erzeugt die Spannung.

    Erkennst du an K⁺ treten aus, an der Membran dünne Säume aus Minus und Plus.

  3. Gegenkraft

    Plus und Minus ziehen sich an

    Das Konzentrationsgefälle drückt K⁺ hinaus.

    Das Minus innen zieht K⁺ wieder herein: das Ladungsgefälle. Mit jedem K⁺, das geht, zieht es stärker.

    Erkennst du an Heller Pfeil hinaus, kürzerer goldener Pfeil herein.

  4. Gleichgewicht

    Fast die Waage bei −70 mV

    Bei etwa −70 mV halten sich beide Kräfte fast die Waage.

    K⁺ allein käme bis etwa −90 mV, doch etwas Na⁺ sickert herein.

    Ionen wandern weiter, die Spannung bleibt.

    Erkennst du an Beide Pfeile fast gleich lang, ein Na⁺ sickert herein.

  5. Pumpe

    3 Na⁺ hinaus, 2 K⁺ herein

    Die Natrium-Kalium-Pumpe bringt je Takt 3 Na⁺ hinaus und 2 K⁺ herein und verbraucht 1 ATP.

    Sie holt zurück, was durch die Kanäle entwischt: ein Fließgleichgewicht.

    Erkennst du an Ein großes Protein tauscht Na⁺ gegen K⁺.

Nur etwa eines von vielen Tausend K⁺ muss dafür hinaus, die Konzentrationen ändern sich praktisch nicht.

Schema, gedachter Ablauf: innen links, außen rechts

Gedankenexperiment: Die Pumpe fällt aus

  • 0 mV−70 mVPumpe aussofort: wenige mV

    Im ersten Moment

    Die Spannung wird nur um wenige mV schwächer. Das ist der kleine direkte Anteil der Pumpe: Sie bringt je Takt eine positive Ladung mehr hinaus als herein.

  • 0 mV−70 mVPumpe ausdann: Richtung 0 mV

    Nach Minuten bis Stunden

    Na⁺ sickert herein, K⁺ läuft hinaus, und niemand füllt nach. Die Gefälle laufen aus, das Minus wird schwächer, bis die Zelle keine Signale mehr senden kann.

Zwei typische Fehler

Im Video ab 7:48 (auf YouTube ab 7:48, neuer Tab), Kapitel „Was wäre, wenn die Pumpe ausfällt?“.

  1. Falsch

    „Die Natrium-Kalium-Pumpe erzeugt das Ruhepotential.“

    Richtig

    Die Spannung entsteht, weil K⁺ durch die Leckkanäle hinausströmt. Die Pumpe hält die Gefälle aufrecht, ohne sie bricht die Spannung erst nach Minuten zusammen.

  2. Falsch

    „Im Ruhezustand bewegen sich keine Ionen.“

    Richtig

    K⁺ wandert ständig durch die Leckkanäle hinaus und herein, und die Pumpe arbeitet im Takt. Nur unterm Strich bleibt die Spannung gleich.

Quiz: sechs Fragen zum Thema Ruhepotential

Sofort ausgewertet, ohne Anmeldung. Es werden keine Daten gesendet. Die falschen Antworten sind genau die Fehler aus dem Video.

  1. Wie sind die Ionen an der Membran einer ruhenden Nervenzelle verteilt?

  2. Eine Mikroelektrode nähert sich einem Axon. Das Messgerät springt plötzlich von 0 mV auf etwa −70 mV. Was bedeutet der Sprung?

  3. Warum ist das Innere einer ruhenden Nervenzelle negativ gegenüber außen?

  4. Was passiert an den Kalium-Leckkanälen einer Nervenzelle, die in Ruhe bei etwa −70 mV liegt?

  5. Alle Natrium-Kalium-Pumpen einer Nervenzelle stehen still, weil kein ATP mehr da ist. Was passiert mit dem Ruhepotential?

  6. Außerhalb einer Nervenzelle wird die K⁺-Konzentration erhöht. Wie verändert sich das Ruhepotential?

Prüfungsaufgaben

Erst selbst lösen, dann die Lösung aufklappen.

Grundlegendes Niveau

Eine Messkurve zeigt erst 0 mV, dann springt der Wert plötzlich auf −70 mV und bleibt dort. Deute die Kurve und beschreibe die Ionenverteilung an der Membran.

deuten
Du bringst einen Sachverhalt in einen fachlichen Erklärungszusammenhang.
beschreiben
Du gibst einen Sachverhalt geordnet und fachsprachlich wieder.
Lösung anzeigenLösung ausblenden

Musterlösung in vier Teilen

  1. Anfang: Beide Elektroden liegen außen, es gibt keinen Spannungsunterschied: 0 mV.
  2. Sprung: Die Mikroelektrode durchsticht die Membran, ab jetzt misst sie innen gegen außen.
  3. Plateau: Das ist das Ruhepotential, rund −70 mV, innen negativ. Es bleibt konstant, weil die Zelle nicht gereizt wird und die Pumpe die Gefälle hält.
  4. Ionenverteilung: Innen viel K⁺ (etwa 30-mal so viel wie außen) und organische Anionen. Außen viel Na⁺ (etwa 10-mal so viel wie innen) und Chlorid.

Erhöhtes Niveau

Erläutere, wie sich das Ruhepotential verändert, wenn die K⁺-Konzentration außerhalb der Zelle erhöht wird.

erläutern
Du veranschaulichst einen Sachverhalt und machst ihn durch zusätzliche Informationen verständlich.
Lösung anzeigenLösung ausblenden

Musterlösung in drei Teilen

  1. Durchlässigkeit: Die Membran ist in Ruhe vor allem für K⁺ durchlässig, deshalb bestimmt vor allem das K⁺-Gefälle das Ruhepotential. Mehr K⁺ außen heißt ein kleineres Konzentrationsgefälle, K⁺ drängt schwächer hinaus.
  2. Gleichgewicht: Darum reicht schon eine kleinere Ladungstrennung, um den Ausstrom auszugleichen. Das Gleichgewicht stellt sich schon bei einer schwächeren Spannung ein.
  3. Folge: Das Ruhepotential wird weniger negativ und rückt näher an 0 mV. Fachlich heißt das: Die Membran ist depolarisiert.

Merkblatt zum Ausdrucken

Zwei Seiten: der Ablauf in Bildern, typische Fehler, Prüfungsaufgaben mit Lösung

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Transkript

Einstieg (0:00)

Du liegst auf dem Sofa und tust nichts. Dein Gehirn macht trotzdem Überstunden. Es wiegt nur etwa zwei Prozent deines Körpers, verbraucht in Ruhe aber rund ein Fünftel deiner Energie. Ein großer Teil davon geht an winzige Pumpen, die in Milliarden Nervenzellen die Ionen sortieren. Nur so bleiben die Zellen geladen. Wie ein gespannter Bogen, bereit zum Schuss.

Warum ist eine Nervenzelle geladen, wenn sie gar nichts tut? Genau das klären wir in knapp zwölf Minuten. Zwei Prozent Gewicht, ein Fünftel der Energie. Wäre dein Gehirn ein Mitbewohner, wäre es der, der ein Fünftel vom Kühlschrank leer isst. Und dabei nur rumliegt.

Unser Weg hat vier Schritte. Erstens: was innen und außen an der Membran los ist. Zweitens: wie die Spannung entsteht. Drittens: ein Gedankenexperiment ohne Pumpe. Viertens: zwei Prüfungsaufgaben fürs Abi.

Zwei Seiten einer Membran (0:59)

Fangen wir bei einer einzigen Nervenzelle an, genauer bei ihrem Axon, dem langen Fortsatz. Seine Membran ist eine hauchdünne Schicht aus Fettmolekülen, eine Lipid-Doppelschicht. Innen liegt die Flüssigkeit der Zelle, das Zellplasma. Außen die Flüssigkeit, die alle Zellen umspült, die Gewebsflüssigkeit. Zwei Seiten, und dazwischen nur eine dünne Grenze.

Auf beiden Seiten schwimmen winzige Teilchen, die elektrisch geladen sind. Manche tragen eine positive Ladung, manche eine negative. Solche geladenen Teilchen heißen Ionen. Ein Beispiel kennst du aus der Küche: Löst man Kochsalz in Wasser, schwimmen darin Natrium-Ionen und Chlorid-Ionen. Die negativen Ionen nennt man Anionen. Für uns zählen vor allem zwei positive: Kalium und Natrium.

Und jetzt das Entscheidende: Die Ionen sind ungleich verteilt. Innen gibt es viel Kalium, ungefähr dreißigmal so viel wie außen. Dazu große, negativ geladene Teilchen, vor allem Eiweißmoleküle: die organischen Anionen. Außen ist es umgekehrt: viel Natrium, etwa zehnmal so viel wie innen, und dazu Chlorid. Merksatz: Innen viel Kalium und große Anionen, außen viel Natrium und Chlorid.

Diese ungleiche Verteilung hat eine messbare Folge: eine elektrische Spannung. Wie misst man die? Mit zwei Elektroden. Eine liegt außen in der Flüssigkeit, die Referenzelektrode. Die andere ist ein Glasröhrchen mit einer Spitze, viel dünner als ein Haar: die Mikroelektrode. Solange beide außen sind, zeigt das Messgerät null. Dann sticht die Mikroelektrode durch die Membran.

Der Wert springt auf etwa minus siebzig Millivolt. Innen ist die Zelle negativ gegenüber außen. Diese Spannung einer Nervenzelle in Ruhe heißt Ruhepotential. Merksatz: Das Ruhepotential liegt bei etwa minus siebzig Millivolt, innen negativ. Funfact: An einer Nervenzelle von innen gemessen haben das zuerst Hodgkin und Huxley, neunzehnhundertneununddreißig, am Riesenaxon des Kalmars. Fast gleichzeitig schafften es Curtis und Cole in Amerika. Das Axon ist bis etwa einen Millimeter dick, da passt eine Elektrode hinein. Kalmare sind übrigens entfernte Verwandte von mir. Auf Familienfeiern ist das Thema Elektroden bis heute heikel. Aber woher kommt das Minus?

Wie die Spannung entsteht (3:29)

Um das Minus zu finden, bleiben wir genau an der Grenze. Wie an einem Grenzfluss gibt es dort nur wenige offene Tore: Ionenkanäle. In Ruhe sind vor allem die für Kalium offen. Sie heißen Kalium-Leckkanäle, weil sie ständig ein wenig durchlassen. Natrium kommt kaum durch, die großen Anionen gar nicht. Die Membran lässt also nur bestimmte Ionen durch. Das heißt selektive Permeabilität. Merksatz: In Ruhe ist die Membran vor allem für Kalium durchlässig.

Und was macht Kalium mit so einem offenen Tor? Innen ist viel mehr Kalium als außen. Also treffen innen viel öfter Kalium-Ionen auf ein Tor, und mehr wandern hinaus als herein. Das ist Diffusion, angetrieben vom Konzentrationsgefälle. Die organischen Anionen würden gern mit, aber sie passen nicht durch. Wie ein Sofa im Treppenhaus. Da hilft auch kein Drehen.

Kalium geht also hinaus, die Anionen bleiben drin. Und genau das hat eine Folge. Jedes Kalium-Ion, das hinausgeht, nimmt eine positive Ladung mit. Zurück bleiben die Anionen mit ihrer negativen Ladung. Innen an der Membran sammelt sich ein feiner Saum aus Minus, außen einer aus Plus. Das nennt man Ladungstrennung. Diese Ladungstrennung erzeugt die Spannung, die wir gemessen haben. Merksatz: Wo Kalium geht, bleibt Minus zurück.

Aber warum läuft dann nicht einfach alles Kalium hinaus? Weil das Minus innen zurückzieht. Plus und Minus ziehen sich an. Jetzt wirkt eine zweite Kraft: das Ladungsgefälle. Das Konzentrationsgefälle drückt Kalium hinaus, das Ladungsgefälle zieht es wieder herein. Und mit jedem Kalium-Ion, das geht, zieht das Minus ein bisschen stärker.

Irgendwann halten sich beide Kräfte fast die Waage. Genau dann rastet der Zeiger ein, bei rund minus siebzig Millivolt. Still ist es dabei aber nicht. Kalium wandert weiter durch die Tore, hinaus und herein. Wie an der Tür eines vollen Clubs: Ständig gehen Leute raus und rein, aber drinnen bleibt es ungefähr gleich voll. Unterm Strich bleibt die Spannung gleich: ein dynamisches Gleichgewicht. Merksatz: Kalium strömt hinaus, bis die Ladung es fast ganz zurückhält. Dieses dynamische Gleichgewicht ist das Ruhepotential.

Moment. Wie viele Kalium-Ionen mussten dafür eigentlich hinaus? Oh. Kaum welche. Nur etwa eines von vielen Tausend.

Ich hatte mit einer Völkerwanderung gerechnet. Das hier ist ein Spaziergang zu zweit. Die Konzentrationen innen und außen ändern sich dabei praktisch nicht.

Und nicht nur Kalium geht spazieren. Warum halten sich die Kräfte nur fast die Waage? Weil die Grenze auch für Natrium nicht ganz dicht ist. Kalium allein würde den Zeiger sogar bis etwa minus neunzig Millivolt ziehen. Das wäre sein Gleichgewichtspotential. Aber ein paar Natrium-Ionen sickern ständig herein, gezogen vom Minus und getrieben von ihrem eigenen Gefälle. Jedes bringt etwas Plus mit. Stell dir ein Tauziehen am Zeiger vor: Kalium zieht Richtung minus neunzig, das bisschen Natrium zieht ein Stück zurück. Darum sind es nur rund minus siebzig. Und darum strömt bei minus siebzig unterm Strich immer noch ein wenig Kalium hinaus. Kurz gesagt: Ein kleiner Natrium-Leckstrom macht das Innere etwas weniger negativ.

Nur: Wenn ständig Natrium hereinsickert und Kalium hinausläuft, wären die Gefälle irgendwann aufgebraucht. Wer räumt da auf? Die Natrium-Kalium-Pumpe. Sie sitzt in der Membran und arbeitet im Takt: drei Natrium hinaus, zwei Kalium herein. Für jeden Takt verbraucht sie ein Molekül ATP, also Energie. Hierhin geht ein großer Teil der Energie deines Gehirns. Die Pumpe hält die Ionenverteilung aufrecht. Genauer ist das Ruhepotential also ein Fließgleichgewicht: Was durch die Tore entwischt, bringt die Pumpe zurück.

Einmal zusammen. Die Ionen sind ungleich verteilt. Kalium strömt hinaus. Die Ladung hält es fast ganz zurück. Und die Pumpe hält das Ganze am Laufen. Bleibt eine Frage: Macht die Pumpe die Spannung etwa selbst?

Was wäre, wenn die Pumpe ausfällt? (7:48)

Das finden wir heraus, indem wir sie abschalten. Die Zelle bekommt kein ATP mehr, alle Pumpen stehen still. Streik bei den Pumpen. Ihre Forderung: mehr ATP. Was glaubst du: Bricht das Ruhepotential jetzt sofort zusammen?

Erstaunlicherweise nicht. Im ersten Moment wird die Spannung nur um ein paar Millivolt schwächer. Das ist der kleine direkte Anteil der Pumpe, denn sie bringt bei jedem Takt eine positive Ladung mehr hinaus als herein. Die Kalium-Tore sind ja weiter offen, und die Gefälle sind noch da. Aber jetzt füllt niemand mehr nach. Natrium sickert herein, Kalium läuft hinaus. Über Minuten bis Stunden laufen die Gefälle langsam aus. Das Minus wird schwächer und schwächer, bis die Zelle keine Signale mehr senden kann.

Was lernen wir daraus? Wäre die Pumpe der Motor der Spannung, wäre das Minus sofort weg. Die Spannung entsteht durch den Kaliumausstrom durch die offenen Tore. Die Pumpe lädt vor allem die Gefälle nach, aus denen dieser Ausstrom seine Kraft bekommt. Darum dauert der Zusammenbruch Minuten und nicht Millisekunden. Merksatz: Der Kaliumausstrom erzeugt das Ruhepotential, die Pumpe hält die Gefälle aufrecht.

Prüfung (9:02)

Pumpe wieder an, jetzt zur Probe. Aufgabe eins, grundlegendes Niveau. Eine Messkurve: Erst zeigt das Gerät null Millivolt, dann springt der Wert plötzlich auf minus siebzig und bleibt dort. Deuten Sie die Kurve, und beschreiben Sie die Ionenverteilung an der Membran. Drück Pause. Ich jongliere solange ein paar Kalium-Ionen. Hoppla. Macht nichts. Eins von vielen Tausend darf raus.

Die Lösung. Am Anfang liegen beide Elektroden außen. Es gibt keinen Spannungsunterschied, also zeigt das Gerät null. Der Sprung ist der Moment, in dem die Mikroelektrode die Membran durchsticht. Ab dann misst sie innen gegen außen: das Ruhepotential, rund minus siebzig Millivolt, innen negativ. Der Wert bleibt konstant, weil die Zelle nicht gereizt wird und die Pumpe die Gefälle aufrechterhält. Zur Ionenverteilung: Innen viel Kalium, etwa dreißigmal so viel wie außen, dazu organische Anionen. Außen viel Natrium, etwa zehnmal so viel wie innen, dazu Chlorid.

Eine Stufe schwerer. Aufgabe zwei, erhöhtes Niveau: „Erläutern Sie, wie sich das Ruhepotential verändert, wenn die Kalium-Konzentration außerhalb der Zelle erhöht wird.“ Erläutern heißt: einen Sachverhalt veranschaulichen und durch zusätzliche Informationen verständlich machen. Drück Pause und formuliere.

Volle Punkte gibt es für drei Schritte. Erstens: Die Membran ist in Ruhe vor allem für Kalium durchlässig, deshalb bestimmt das Kaliumgefälle das Ruhepotential. Mehr Kalium außen heißt ein kleineres Konzentrationsgefälle. Kalium drängt also schwächer hinaus. Zweitens: Darum reicht schon eine kleinere Ladungstrennung, um den Ausstrom auszugleichen. Das Gleichgewicht stellt sich schon bei einer schwächeren Spannung ein. Drittens, die Folge: Das Ruhepotential wird weniger negativ, es rückt näher an null. Fachlich heißt das: Die Membran ist depolarisiert.

Merk dir drei Dinge (11:08)

Das war das Ruhepotential. Merk dir drei Dinge. Erstens: Innen viel Kalium, außen viel Natrium. Zweitens: Kalium strömt hinaus, bis die Ladung es fast ganz zurückhält, bei etwa minus siebzig Millivolt. Drittens: Die Natrium-Kalium-Pumpe hält die Gefälle aufrecht. Das Quiz und den Lernzettel zu diesem Video findest du kostenlos auf achtmalklug punkt de. Ach, und dein Abend auf dem Sofa heute? Ist offiziell Arbeit: minus siebzig Millivolt in Milliarden Zellen. Bleib neugierig.

Quellen und Korrekturen
  • Purves et al.: Neuroscience, Oxford University Press, 6. Auflage, Kapitel 2 bis 4 (Ionenkonzentrationen, Ruhepotential, Ionenpumpen)
  • Kandel et al.: Principles of Neural Science, McGraw-Hill, 6. Auflage, Kapitel 9 (Ruhepotential als Fließgleichgewicht)
  • Alberts et al.: Molecular Biology of the Cell, Garland Science, Kapitel 11 (Membrantransport, Natrium-Kalium-Pumpe, Ladungsmenge an der Membran)
  • Markl Biologie Oberstufe und Natura Biologie Oberstufe, Klett, Kapitel Neurobiologie (Ruhepotential als Fließgleichgewicht)
  • Hodgkin und Huxley (1939), Action potentials recorded from inside a nerve fibre, Nature 144: 710–711
  • Curtis und Cole (1940), Membrane action potentials from the squid giant axon, Journal of Cellular and Comparative Physiology 15: 145–157
  • Hodgkin und Katz (1949), Journal of Physiology 108: 37–77 (Permeabilität der Membran für Na⁺ und K⁺)
  • Hodgkin und Keynes (1955), Journal of Physiology 128: 28–60 (Hemmung des Stoffwechsels und Zeitverlauf ohne Pumpe)
  • Attwell und Laughlin (2001), An energy budget for signaling in the grey matter of the brain, Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism 21: 1133–1145
  • Raichle und Gusnard (2002), Appraising the brain's energy budget, PNAS 99: 10237–10239
  • Operatoren Biologie, KMK, Bildungsstandards im Fach Biologie für die Allgemeine Hochschulreife (2020), Operatorenliste
  • Faktencheck, unabhängige Prüfdurchläufe am 28.10.2026 (Skript, zwei Runden und Bildcheck) und 29.10.2026 (Material)

Faktencheck vom 28.10.2026.

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